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Nenzing-Dorf


Die erste nachgewiesene Dauersiedlung aus der Bronze- und Eisenzeit befindet sich auf dem "Scheibenstuhl" westlich von Nenzing. Mit den Römern begann um Christi Geburt eine neue Besiedlungs- und Kulturepoche. Zum Schutz gegen die Einfälle der Alemannen wurde auf "Stellfeder" südlich des Ortes eine Verteidigungsanlage gebaut.

In der Pfarrkirche, die dem Hl. Mauritius geweiht ist, wurden unterhalb des Chorraumes die Fundamente der ältesten nachgewiesenen Kirche des Landes aus dem frühen 6. Jhdt. entdeckt. Zu dieser Zeit erstreckte sich das Gebiet von Nenzing wesentlich weiter als heute. Der Besitz scheint von der Letze bei Feldkirch bis zum Nenzinggasttal bei Langen am Arlberg gereicht zu haben. In Nenzing und Beschling lebten damals mächtige Familien wie die Ritter von Nenzing oder die Junker Vaistli, die im Galinatal Bergbau betrieben.

Die Bevölkerung sprach damals hauptsächlich rätoromanisch und setzte sich aus der bestehenden Bevölkerung und den zugewanderten Römern zusammen. Durch den Zuzug von alemannisch sprechenden Gruppen und durch die Besiedlung der Berghänge (z.B. Nenzingerberg, Gurtis, Latz) durch die Walser wurde das romanische Element immer mehr zurückgedrängt. Der letzte Nenzinger, der dieser hierzulande ausgestorbenen Sprache mächtig war, dürfte im 17. Jhdt. gelebt haben. Noch heute finden wir Reste dieser Sprache in zahlreichen Familien- und Flurnamen sowie in Gebrauchsgegenständen und Dialektwörtern.

Die aus dem Schweizer Kanton St. Gallen stammenden Ritter von Ramschwag erbauten um 1270-1290 die Burganlage Welsch-Ramschwag. Im Appenzellerkrieg 1405 setzten die Walgauer und damit die Nenzinger den Wohnturm in Brand. Seitdem ist das Wahrzeichen von Nenzing eine Ruine. Noch lange konnte sich aber eine Steuergemeinschaft, die "Ramschwaggnos", die auch die "Alten Österreicher" genannt wurden, erhalten. Burg und Burggut Welsch-Ramschwag kam 1360 als Lehen zu Österreich. Im Jahre 1474 wurde die Herrschaft Sonnenberg, zu der auch Nenzing gehörte, österreichischer Besitz. Bei der Schlacht bei Frastanz 1405 fielen neben dem Nenzinger Anführer der Walgauer Leonhard Nenn auch zahlreiche Nenzinger.

Die Neuverteilung der 19 Alpen der Gemeinde im Jahre 1513, die für die Bauern die Existenzgrundlage bildeten, auf die Dorf- und Bergbewohner gelten in Teilen heute noch.

Das 17. Jhdt. war von Katastrophen gekennzeichnet: beim Dorfbrand 1633 verbrannten Kirche, Pfarrhof und 48 Häuser, die Pest forderte wieder ihre Opfer und der Dreissigjährige Krieg brachte Armut und Hungersnöte. Ein zweites Mal wurden 1724 Teile des Dorfes durch einen Grossbrand zerstört, dazu kam das Hochwasser an der Meng 1762. Trotzdem kam es im 18. Jhdt. zum Aufschwung. Die Pfarrkirche wurde im Stile des Barock erweitert, eine Staatsstrasse führte nun durch den Ort, Beschling bekam eine eigene Schule, in Gurtis wurde die Schule und die Kirche gebaut.

In den Wirren der Napoleonischen Kriege kämpften auch Nenzinger auf Seiten Andreas Hofers gegen die Bayern und Franzosen, dazu litt Nenzing als Lagerort fremder und verbündeter Truppen. Den Beginn der Industrialisierung setzte die Firma Getzner mit dem Bau der Textilfabrik 1831. Das Bild der Gemeinde begann sich mit den nachfolgenden Betrieben zu verändern. Aus einer stark landwirtschaftlich orientierten Gemeindestruktur heraus entwickelte sich Nenzing zum wirtschaftsstarken Mittelpunkt des Walgaus. Wesentliche Voraussetzung zu einer kontinuierlichen Entwicklung war der Bau der Eisenbahnlinie durch die Gemeinde 1872.

Trotzdem fanden im 19. Jhdt. durch die große Bevölkerungszunahme viele Menschen keine Arbeit. Als Maurer, Zimmerleute und Gipser wanderten manche als Saisonarbeiter in die umliegenden Länder. Kinder schickte man ins Schwabenland und andere suchten ihr Glück in der Auswanderung, meist in die USA.

Die letzte große Überschwemmung in Nenzing datiert aus dem Jahr 1910. Nach den Rückschlägen durch die beiden Weltkriege siedelten sich in Nenzing zahlreiche neue Firmen an. Die Bevölkerungszahl hat sich seit 1950 mehr als verdoppelt. Mit der Gründung der Agrargemeinschaft Nenzing entstand innerhalb der Gemeindestruktur eine Körperschaft öffentlichen Rechts, der heute 660 Bürger von Nenzing angehören und die den genossenschaftlichen Gedanken früherer Zeit repräsentiert. Ihr obliegt die Verwaltung der zahlreichen Alpen, des Forstes und der Jagd.

Heute bietet Nenzing den Menschen nicht nur zahlreiche Arbeitsplätze, sondern auch etwa mit dem Nenzinger Himmel und der Alpe Gamp Erholungsgebiete von hohem Wert. Die Erhebung zur Marktgemeinde im Jahr 1993 beweist die dominierende Stellung in der Region Walgau.
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