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Scheibenstuhl 2006
Einer der bekanntesten Fundpunkte des südlichen Vorarlbergs stellt der so genannte ‚Schiebastual’ im Gemeindegebiet von Nenzing dar.
Er liegt südlich der Beschlinger Kirche und kann über die bestehenden Forstwege leicht erreicht werden. Er fällt trotz des heutigen Waldbewuchses durch seine durchgehende, annähernd waagrechte Terrassierung auf, die eine Länge von etwa 170 m und eine Breite von 50 m erreicht.
Ins Auge sticht weiters eine aufwendige, den Flanken des „Schiebastuals“ folgende Umwallung des gesamten Areals.

Altgrabungen:
Erste archäologische Ausgrabungen waren bereits in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts unter dem damaligen Direktor des Vorarlberger Landesmuseums, Herrn Adolf Hild, durchgeführt worden. Seine Untersuchungen konzentrierten sich, neben mehreren verstreut liegenden Flächen, vor allem auf den nördlichen Bereich des Scheibenstuhls. Er spricht die ergrabenen Befunde als Überreste verschiedenster Wohnbauten an und interpretiert den Scheibenstuhl als „Wallburg“ und „befestigten Platz der Ardis) seit mehr als einem Jahrzehnt Praxis im Nachvollzug prähistorischer Metalltechnologien hat und diese mit originalen Materialien und einer absoluten Orientierung an bekannten archäologischen Befunden rekonstruiert.

„Tag der Offenen Grabung“ und „Experimentelle Archäologie“:
Zum ersten Mal im südlichen Vorarlberg konnte zusammen mit Frank Trommer ein zweitägiger ‚Tag der offenen Grabung’ mit ‚Experimentalarchäologie’ abgehalten werden. Im Rahmen dessen wurden vor Ort am „Schiebastual“ prähistorische Bronzegusstechniken und Fertigungsprozesse zu ausgesuchten Fundstücken vorgestellt. Dabei wurde eine komplette prähistorische Gießerwerkstatt mit allen Werkzeugen zum eigentlichen Guss sowie zur Weiterverarbeitung der Produkte aufgebaut und verschiedenste bronzezeitliche Werkzeuge und Schmuckstücke wurden in Sandsteinformen in einem nach archäologischen Befunden gebauten Ofen gegossen.
Parallel dazu fanden halbstündlich Führungen zu den neuesten Ergebnissen der archäologischen Grabungen statt, die neuesten Fundmaterialien wurden präsentiert und die alte Grabungsdokumentation von A. Hild wurde gezeigt.
Die Verköstigung übernahm der Geschichtsverein Beschling, der mit köstlichen Speisen und erfrischenden Getränken den Tag zu einem gelungenen Fest machte!

Ausblick:
Noch bleiben viele Fragestellungen offen und weitere spannende Ergebnisse sind zu erwarten. Handelt es sich beim Scheibenstuhl doch um den einzigen gesicherten „Brandopferplatz“ Vorarlbergs! Eine Fortsetzung der archäologischen Grabungen ist für 2007 geplant.



Archäologische Untersuchungen und Schauvorführungen am Scheibenstuhl 2007

Auch heuer wurden die archäologischen Grabungen am so genannten Scheibenstuhl fortgesetzt und wiederum wurden diese - wie schon im Vorjahr - gekoppelt mit experimentalarchäologischen Schauvorführungen im Rahmen eines ‚Tages der offenen Grabung’ präsentiert.
Sowohl die Ergebnisse der archäologischen Grabungen, als auch die trotz des verregneten Wetters hohen Besucherzahlen spiegeln den Erfolg des Projektes wider.

Archäologische Grabungen:
Langsam lichtet sich das Rätsel um die Bedeutung und Funktion des Scheibenstuhls und es gelingt den Archäologen Klarheit zu schaffen. Interpretierte der erste Ausgräber, Herr Museumsdirektor Adolf Hild, die Fundstelle noch als Siedlung, so wissen wir heute, dass es sich dabei um einen Brandopferplatz handelt.
Mühevoll und in Kleinarbeit legen die Studenten der archäologischen Fachrichtungen und das Archäologenteam um Karsten Wink die einzelnen Schichten frei, trennen die gestörten von den originalen ‚in situ’ liegenden Bereichen, bergen aus dem stark mit Holzkohle und Knochengrus versetzten Erdsedimenten Keramiken und Metallfunde, dokumentieren, vermessen und zeichnen jedes Detail der Grabungen.

Was verbirgt sich nun an archäologisch-historischen Informationen hinter dem Fachbegriff ‚Brandopferplatz’?
Es handelt sich dabei um einen Kultplatz, den die umliegende Bevölkerung aufsuchte, um dort verschiedenste Brandopfer zur Huldigung der Götter durchzuführen. Bislang konnten vor allem tierische Opfergaben nachgewiesen werden, die man auf kleinen Steinaltären verbrannte.
Der Nachweis von Rind, Schwein, Ziege und Wildtieren gelang. Dabei ist eine so genannte Selektion der Knochen bemerkbar. Nicht die fleischreichen Anteile, sondern vor allem die weniger zum Verzehr geeigneten Stücke, wie etwa die Läufe und Schädel der Tiere, wurden dargebracht. Botanische Analysen sollen zeigen, in wie weit auch Getreide, Hirse, Bohnen und andere Pflanzen im Ritus eine Rolle spielten, deren Nachweis makroskopisch ohne entsprechende Feinuntersuchungen schwerer ist.
Wie genau die Kulthandlungen von statten gingen, ist nicht bekannt, da weder schriftliche noch bildliche Quellen darüber berichten.
Zur besseren Veranschaulichung kann als Vergleich das Rekonstruktionsmodell des Brandopferplatzes ‚Wallburg / Ultental (Südtirol) dienen, das im heutigen Archäologiemuseum in Bozen zu besichtigen ist.
Von besonderem Interesse ist die lange Nutzung des Heiligtums, die sich - wie archäologische Funde eindeutig belegen - von der mittleren Bronzezeit (ca. 1500 v. Chr.) bis weit in die Römerzeit, ins 3. Jh. n. Chr., erstreckt.
Im Zuge der diesjährigen Kampagne konnten vor allem mehrere Opfergruben, in denen die Überreste der Opferfeuer deponiert wurden, ergraben werden.
Nächstes Jahr sollen vor allem die Altarstrukturen genauer unter die Lupe genommen und ans Licht gebracht werden.

Experimentalarchäologie für Groß und Klein:
Im Zuge der beiden ‚Tage der Offenen Grabung’ fanden Vorführungen zum Themenkreise Bronzeguss und Schmiedetechnik statt. Vor Ort wurden im Schmiedefeuer Schmuckstücke, Werkzeuge und Waffen gegossen und nachbearbeitet. Die Rekonstruktion der Schmiede und alle zum Einsatz kommenden und gezeigten Geräte und Werkzeuge orientierten sich an archäologischen Vorlagen.
Während ‚live’ vor Ort Bronze verarbeitet wurde, erklärten die Archäologen Groß und Klein die technischen Abläufe und beantworteten Fragen zum urgeschichtlichen Metallhandwerk. Ergänzt wurde das Programm von Kochvorführungen und Erklärungen zum Speiseplan der urgeschichtlichen Bevölkerung, um so einen kleinen Eindruck der Alltagskultur zu vermitteln.




Scheibenstuhl 2008

Die archäologischen Untersuchungen in Nenzing – Versuch einer Zusammenschau (Christina Kaufer und Karsten Wink)

Warum Archäologie - warum Geschichte? Das Zitat „je weiter man zurückblicken kann, desto weiter wird man vorausschauen“ soll vom britischen Staatsmann und Nobelpreisträger für Literatur, Sir Winston Spencer Churchill stammen. Der bekannte Schriftsteller Salman Rushdie formuliert ähnlich prägnant: „Wer seine Geschichte nicht erzählen kann, existiert nicht“. „Geschichte ist nicht nur Geschehenes, sondern Geschichtetes - also der Boden, auf dem wir stehen und bauen“, schreibt der deutsche Theologe Hans von Keler und unterstreicht in diesem Zitat den Aspekt der Archäologie innerhalb der Geschichts- und Kulturwissenschaften.
Jedwede Beschäftigung mit der Vergangenheit im Allgemeinen dient also nicht einem wie auch immer gearteten Selbstzweck, sondern in erster Linie der persönlichen, somit individuellen Identifizierung und Auseinandersetzung mit der eigenen Heimat, einer neuen Umgebung, den verschiedenen Lebensumfeldern, den herrschenden Traditionen und Sitten, den politischen Bedingungen, den religiös gewachsenen Strukturen etc. Noch viele Beispiele wären anzuführen, die belegen, wie wichtig die Betrachtung der Vergangenheit für das Verständnis des Jetzt und die Planung des Morgen ist. Doch nicht nur für das einzelne Individuum spielt die Beschäftigung mit der Geschichte eine Rolle, denn ähnlich wie zuvor prägt auch hier das gemeinsam Erreichte, Erlebte, Gelittene, Gefeierte, Erfahrene die Allgemeinheit und fügt Menschen zu Einheiten und Gemeinschaften zusammen. Dies gilt für die Ebene der Familie ebenso wie für Gemeinden, Talschaften, Völker, Nationen, Religionsgemeinschaften, Vereine, Studieninstitutionen etc. Kurzum Geschichte verbindet, zeigt Kontinuitäten wie Brüche auf, erklärt Entwicklungen ebenso wie den Wandel von Dingen, dokumentiert Fortschritte und – nicht zuletzt – erzählt Geschichten vom Leben Einzelner und Gemeinschaften.
Diese Eigenschaft der Geschichtswissenschaft gilt gleichsam für alle Zeiten und Epochen der menschlichen Geschichte und findet treffend in folgendem letzten Zitat seinen Ausdruck: „Nur wer seine eigenen Wurzeln kennt, kann seine Heimat lieben, um sich ihrer anzunehmen und sie als Teil eines größeren Ganzen europäischer, ja weltweiter Dimension zu betrachten.“ (Ausstellungstext zur Tagung ‚Waidbruck‘).
Das Geschichtsbewusstsein der Marktgemeinde Nenzing ist seit Jahren durch die Arbeit des Archivs geschärft und auch innerhalb ihrer Bewohner gefestigt, wie der rege Zuspruch zu den verschiedensten Veranstaltungen bezeugt.
Nun zeigte sich für das Gemeindegebiet Nenzing, dass sich hier gleich mehrere archäologische Fundstellen befanden, die jedoch alle recht schlecht erforscht, mehr oder weniger brach im Dunkel der Geschichte verborgen lagen. So verwunderte es nicht weiter, dass innerhalb der Gemeinde der Wunsch entstand, mehr über diese in Vergessenheit geratenen Orte und Plätze in Erfahrung zu bringen. Fragen nach ihrer Bedeutung, ihrer Zeitstellung, ihrer Funktion waren unbeantwortet. Wer lebte dort, warum, was geschah dort? Was aßen die Menschen, wo siedelten sie, wie alt wurden sie, wie bauten sie ihre Häuser, glaubten sie an Götter, waren sie reich, litten sie Hunger, herrschte Krieg?

Die Anfänge und die sensationelle Entdeckung des Brandopferplatzes

Solche und noch viele andere Fragen beschäftigten uns im Jahre 2005, als wir an einem besonders kalten und nebligen Septembermorgen nicht nur die ersten Spatenstiche sondern zugleich den Anfangspunkt der neuen Forschungen am Scheibenstuhl in Nenzing setzten.
Glaubten wir im ersten Jahr noch, am so genannten Scheibenstuhl, eine Siedlung der ersten Hälfte des ersten vorchristlichen Jahrhunderts auszugraben, so belehrten uns die Befunde und Funde eines besseren. In mühsamer Kleinarbeit legten wir in diesem ersten und in den nächsten drei folgenden Jahren mit der Hilfe von Studenten der Universitäten Innsbruck und Wien Keramikscherben, Knochen und Metalle frei, suchten die Oberkanten neuer Schichten, diskutierten ihre Abfolgen und Ausdehnungen, vermaßen das Plateau und gruben Schicht für Schicht in die Tiefe.

(Abb. 1) Abb. 1: Nenzing, ‚Schibastuhl‘, Ausgrabungsarbeiten im Bereich des nördlichen Plateaus. (Bild Ardis©2007)

Nach der ersten Kampagne stand fest, dass es sich bei dem Nenzinger Fundort ‚Schibastuhl‘ nicht, wie in der vierziger Jahren des 20. Jh. von Adolf Hild publiziert um eine Siedlung, sondern um einen Brandopferplatz handelt. Dieser wurde nun in den folgenden drei Grabungskampagnen weiter ausgegraben und analysiert.

Eine treffende Definition des Begriffes ‚Brandopferplatz‘ lieferte Paul Gleirscher, der wie folgt die Merkmale zusammenfasste:
„Brandopferplätze sind ehrteilige Naturheiligtümer in unterschiedlicher Lage, an denen ein Fruchtbarkeitskult, später auch ein Kriegskult mit Brandopfern vollzogen wurde.
Der Altar konnte als Lehmtenne oder -wesentlich häufiger?- als steinerner Unterbau konstruiert gewesen sein; daraus entstanden in stetigem Zuwachs oder -wahrscheinlicher- in mehreren Phasen regelrechte Steinkegel.
Zur Anlage, die unterschiedlich auch durch Mauern begrenzt sein kann, gehören neben dem Altar, offenbar in der Regel auch eine Deponierungsstelle (Bothros) sowie eine „Festwiese“.
Exponierte Kuppen- und Hanglagen boten sich… in besonderer Weise zur Darbringung von Brandopfern an“.

Überträgt man diese Definition auf den Scheibenstuhl, so fällt die große Übereinstimmung der Befunde mit den oben angeführten Punkten auf. Eine unheimlich große Anzahlt kleinster zerhackter Knochensplitter und -stückchen ließen sich im Zuge der Grabungen bergen, die allesamt durch die Hitze weiß gefärbt im gesamten Bereich des Nordplateaus sogar bis in die obersten Waldbodenschichten streuten. Sie stammen von den Fleischopfern, die hier zu Ehren einer nicht weiter definierbaren Gottheit (oder Gottheiten) dargebracht wurden. Von diesen Opferhandlungen und -feuern zeugen zwei Steinaltäre, die sich als steinerne Unterbauten erhielten und zwei Opfergruben (Bothroi), die vollständig mit schwarzem kohligem Knochen-Aschematerial verfüllt waren.

Von Vergleichsorten weiß man, dass Teile der Opfer im Rahmen eines Opferfestes von der Opfergemeinschaft vor Ort verspeist und nur Teile der Tiere vollkommen verbrannt wurden. Untersuchungen an Tierknochen lassen den Rückschluss zu, dass man vor allem die fleischarmen Stücke opferte und somit vollständig verbrannte und die fleischreichen hingegen verzehrte. Dies geschah wahrscheinlich im Rahmen eines oben schon erwähnten Opferfestes, welches auf der so genannten ‚Festwiese‘ statt fand. Hierunter versteht man einen Festplatz innerhalb des ‚Heiligen Bezirkes‘, der diesen Feierlichkeiten diente. Im Fall des Scheibenstuhls ergaben die archäologischen Untersuchungen, dass nur im Bereich der Nordterrasse der eigentliche Opfer- und Verbrennungsplatz lag und der gesamte mittlere und südliche Abschnitt des fast 140m langen Plateaus der ‚Festwiese‘ Raum bot. Hierzu passt auch der Befund eines die gesamte Terrasse umfassenden Walls, der nicht fortifikatorische Zwecke erfüllte, sondern der optischen Abgrenzung eines sakralen Ortes galt.

(Abb. 2) Abb. 2: Modell des ‚rätischen‘ Heiligtums St. Walburg in Ulten

(Bild: Südtiroler Archäologiemuseum Bozen, 2000)

Wie stelle ich mir einen Brandopferplatz vor?
Leider ist es vom heutigen Standpunkt aus schwer sich den genauen Ablauf solcher Kulthandlungen vorzustellen. Viele Fragen bleiben unbeantwortet und das Dunkel der Geschichte lüftet sich nur langsam und unter der Aufbringung wie dem Einsatz von viel Geduld, Technik und Know-how. Dennoch darf als Anlehnung an solche Brandopfer die Odyssee von Homer herangezogen werden, in der immer wieder umfassende Opferhandlungen beschrieben werden.
Im dritten Gesang beispielsweise opfern Nestor und seinen Mannen gerade dem Meergott Poseidon, während Telemachos, der Sohn des Odysseus mit seinem Schiff landet.
... Dort brachten am Meergestade die Männer
Schwarze Stiere zum Opfer dem bläulichgelockten Poseidon
Neun war der Bänke Zahl, fünfhundert saßen auf jeder; Jede von diesen gab neun Stiere. Sie kosteten jetzo
Alle der Eingeweide, und brannten dem Gotte die Lenden.

In weiterer Folge empfängt Nestor Telemachos gastlich und bewirtet diesen, nachdem auch er, begleitet von der Göttin Pallas Athene, opferte und Gebete sprach.
[Nestor und seine Söhne] Reichten grüßend die Händ', und nötigten beide [Telemachos und Pallas Athene] zum Sitze.
Nestors Sohn vor allen, Peisistratos, nahte sich ihnen,
Nahm sie beid' an der Hand, und hieß sie sitzen am Mahle,
Auf dickwollichten Fellen, im Kieselsande des Meeres, Seinem Vater zur Seit' und Thrasymedes dem Bruder;
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Legte vor jeden ein Teil der Eingeweide, und schenkte
Wein in den goldenen Becher, und reicht' ihn mit herzlichem Handschlag
Pallas Athenen, der Tochter des wetterleuchtenden Gottes:
Bete jetzt, o Fremdling, zum Meerbeherrscher Poseidon,
Denn ihr findet uns hier an seinem heiligen Mahle.
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Hast du, der Sitte gemäß, dein Opfer gebracht und gebetet,
Dann gib diesem
(Abb. 3) Abb. 3" HEIGHT=" Abrollung der Situla Certosa; gelb umrandet sind mögliche Szene einer ‚Prozession‘, orange umrandet mögliche Szene eines Gelages. (Bild" id="test" ALIGN="">
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ult der Vorzeit in den Alpen, 1997)

Die Forschung ist um die Klärung dieser Fragen bemüht und gerade deshalb sind auch neue Ausgrabungen, wie jene in Nenzing von internationalem Wert und finden entsprechende Beachtung.
Ein Denkmodell der Archäologie geht davon aus, dass es ‚überregionale‘ und ‚lokale‘ Opferplätze gab. Erstere lägen außerhalb der Siedlungsräume, beispielsweise in gebirgigen Höchstlagen. Derartige Plätze sind vom Schlern in Südtirol und vom Monte Ozol im Trentino bekannt. Häufiger waren jedoch zweitere, nämlich die ‚lokalen‘ Opferplätze, die sich in nächster Nähe zu den Siedlungen und Gräbern befanden und den religiösen Bedürfnissen einer oder mehrerer Gemeinschaften dienten. Der ‚Schibastuhl‘ dürfte auf Grund seiner Lage und Größe eher der zuletzt genannten Gruppe angehören.
Was die Bevölkerung des Walgaus betrifft, so sind auch in diesem Bereich klare Aussagen nur erschwert möglich. Schriftliche Quellen fehlen weitgehend und zusammengehörende Gruppen und Verbände können nur über ihre Sachgüter und gemeinsame Lebens- und Religionsvorstellungen gebildet werden. Vorsichtig ist die Forschung um die Identifizierung einer ‚rätischen‘ Bevölkerungsgruppe bemüht, die den mittleren Alpenraum nördlich und südlich des Brenners, im Westen bis zum Alpenrheintal bevölkerte. In den benachbarten Voralpengebieten nördlich, westlich und südlich siedeln die Kelten und im Süden zusätzlich die Veneter und Etrusker. Ebenso im Osten schließen keltische Stammesgebiete an die ‚rätischen‘ inneralpinen Zonen. Vorerst wird in der archäologischen Forschung diese ‚rätische‘ Volksgruppe mit dem Erstarken der Fritzens-Sanzeno-Kultur verknüpft, ein Vorgang der um die Mitte des ersten vorchristlichen Jahrtausends beginnt. Inwieweit die Region des heutigen Walgaus vollständig zur ‚rätischen‘ Bevölkerung hinzuzurechnen ist, ist beim derzeitigen Forschungsstand nicht zu beantworten. Es ist eher davon auszugehen, dass der Walgau eine Sonderposition am Schnittpunkt keltischer und rätischer Kulturzonen darstellte.
Noch ist die Auswertung der Befunde und Funde nicht abgeschlossen und mit weiteren Details ist zu rechnen. Die oben dargelegten Ausführungen belegen, wie schwierig es ist, dem Puzzel der Geschichte ein Stück hinzuzufügen und wie wichtig deshalb solche Initiativen, wie die der Martktgemeinde Nenzing für die Erforschung vergangener Zeiten und Kulturen sind. Um diesen Aspekt zu verdeutlichen, sei folgendes Beispiel gegeben: Betrachtet man das Gebiet des heutigen Vorarlbergs, so fällt auf, dass für das gesamte Bundesland kein systematisch ergrabener Brandopferplatz vorliegt. Als mögliche Kultplätze vergleichbarer Funktion und Zeitstellung gelten nur noch die Heidenburg bei Göfis und der Fundplatz ‚Altenstadt-Grütze‘ bei Feldkirch.






Funde

AUSWAHL KERAMIKEN


Latènezeitliche (jüngereisenzeitliche) Keramikfragmente: (Abb. 3)
Die Keramik ist aus Graphitton mit Glimmerzusätzen gefertigt.
Die beiden Scherben weisen im Bereich des Gefäßhalses eine Verzierung auf. Das Dekor setzt sich aus vertikalen Riefen zusammen. Diese Zier wurde mittels eines Stabes oder Kammes aus Geweih, Holz, Knochen oder Ähnlichem in den noch ungebrannten, lederharten Ton eingebracht.
Das Keramikfragment auf der linken Seite kann einem Topfgefäß zugeordnet werden, wie er beispielsweise aus einem Haus auf der Himmelreich-Kuppe bei Wattens/Tirol gefunden worden ist. Die Stücke sind latènezeitlich und lassen sich daher grob in die Zeit von 450/400 v. Chr. – 15 v. Chr. datieren.


Randfragmente verschiedener Zeitstellung: (Abb. 4)
Randstück a) ist aus lokalem Ton gefertigt und sehr grob gemagert. Es kann in die Mittelbronzezeit (1500 – 1350 v. Chr.) datiert werden.
Randstück b) hingegen ist sehr fein gemagert und kann als latènezeitlich angesprochen werden.
Randstück c) ist als spätbronzezeitlich (1300 - 750 v. Chr.) anzusprechen und vermutlich Teil einer kleinen Schale.


Bodenfragmente verschiedener Zeitstellung: (Abb. 5)
Das Bodenfragment a) ist wiederum aus lokalem Ton gefertigt und sehr grob gemagert. Eine genaue Datierung ist nicht möglich.
Fragment b) hingegen lässt sich als mittelbronzezeitlich (1500 – 1350 v. Chr.) ansprechen und stellt vermutlich den Boden eins Trinkgefäßes oder kleinen Topfes dar.


„Terra Sigillata“ Fragmente: (Abb. 6)
Diese Art römischer Keramik zeichnet sich durch einen roten Glanztonüberzug aus. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass diese Art von Tonwaren Luxusgeschirr darstellt. Sie wurde an verschiedensten Produktionsorten in einem fast schon „industriellen“ Stil bis in das 5. Jh. n. Chr. hinein fabriziert.


AUSWAHL METALLFUNDE

Fibeln
Fibeln sind die Sicherheitsnadeln des Altertums. Moderne Sicherheitsnadeln benutzen immer noch dasselbe Konstruktionsprinzip, auch die Funktion hat sich nicht wesentlich geändert. So wurde diese Fibel am Gewand getragen, um dieses zusammenzuhalten. Im Verlauf der Jahrhunderte änderten sich jedoch - je nach Mode - Größe, Trageort und Form der Fibeln.


Latènezeitliche Fibelnadel (Abb. 7)
Die bronzene Nadel einer Fibel wurde 2006 gefunden.
Der eigentliche, meist kunstvoll gearbeitete Fibelkörper ist leider nicht erhalten. Dennoch kann über die Spiralkonstruktion eine grobe Datierung in die frühe Latènezeit vorgenommen werden.


Römische Fibel: (Abb. 8)
Eine so genannte „Swastikafibel“ stammt ebenfalls aus der Kampagne 2006. Die aus Buntmetall hergestellte Fibel ist sehr gut erhalten, leider fehlt jedoch die Nadel.
Sie ist mit konzentrisch angeordneten Kreisaugen dekoriert und zeigt eine „pfotenähnliche“ Gestaltung der Kreuzenden. Dank Vergleichsfunden kann sie in das 2./3. Jh. n. Chr. datiert werden. Die Swastika gilt in der Urgeschichte generell als Sonnensymbol und hat keinen Zusammenhang zur nationalsozialistischen Ideologie.


Römische Münze: (Abb. 9)
Diese römische Münze wurde ebenfalls im Zuge der Kampagne 2006 gefunden. Die Münze hat einen Durchmesser von ca.1,8 cm und kann Kaiser Claudius II. Gothicus zugeordnet werden, der von 268-270 n. Chr. regierte. Leider ist die Münze schlecht erhalten, Vergleichsfunde lassen folgende weitere Informationen zu:
Die Münze zeigt auf der Vorderseite eine Panzerbüste mit Strahlenkrone und trägt die Inschrift IMP(erator) C(aesar) CLAUDIUS AUG(ustus). Die Rückseite, die im Falle dieser Münze besser erhalten ist, trägt die Inschrift Providenti(a) AUG(ugusti). Dargestellt ist die Personifizierte Vorsorge des Kaisers, die mit gekreuzten Beinen ein einer Säule lehnt. Sie hat ein Füllhorn in ihrer linken Hand und einen Stab in ihrer rechten. Zu ihren Füßen liegt ein Globus.


Bronzezeitlicher Ring: (Abb. 10)
Ein Spiralring aus Buntmetall kann als wahrscheinlich bronzezeitlich datiert werden. Er hat einen Durchmesser von ca. 2 cm. An seiner Oberfläche sind partiell Horizontalriefen zu erkennen. Diese Ringe sind aus Grabzusammenhängen hinreichend bekannt und werden entweder als Teil der Haartracht oder als Finger- oder Zehenringe interpretiert.


Latènezeitliches Rasiermesser: (Abb. 11)
Ein ca. 10 cm langes bronzenes Rasiermesser mit gebogener Klinge konnte ebenfalls 2005 geborgen werden. Dem Messer fehlt der Griff, welcher vermutlich abgebrochen ist. Vergleichsfunde von anderen Grabungen legen nahe, dass es sich dabei aber um einen Ringgriff gehandelt haben könnte. Mit diesen Rasiermessern war es nicht möglich, sich glatt zu rasieren. Sie waren dazu dar, den Bart zu stutzen.


Lanzenspitzen: (Abb. 12)
Die untere der beiden eisernen Lanzenspitzen kann als alemannische Lanzenspitze angesprochen werden. Die Spitze wurde aus einem Stück geschmiedet und ist feuerverschweißt. Sie kann in das 6./7. Jh. n. Chr. datiert werden. Sie repräsentiert als bislang einzig frühmittelalterliches Objekt der neuen Ausgrabungen diese Epoche.
Die obere Lanzenspitze hingegen ist aus Eisenblech gefertigt und am Ende der Tülle gelocht. Die Verarbeitungsqualität ist sehr schlecht. Eine genaue Datierung ist bis dato nicht möglich. Eine prähistorische Zeitstellung ist jedoch ausschließen. Vermutlich ist sie mittelalter- oder neuzeitlich. Beide Lanzenfunde stehen nicht mehr im Zusammenhang mit dem Brandoperplatz, sondern gelten als Einzelfunde.
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Thomas Gamon
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Mag. Karsten Wink
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